September 26

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Vergessen, verdrängen, verzweifeln – die drei größten Probleme, wenn um die private Altersvorsorge geht

By Kai Römisch


Altersvorsorge

Wenn Menschen in Deutschland an ihre Altersvorsorge und ihren Ruhestand denken, so geschieht dies heute mit sehr widersprüchlichen Gefühlen. Einerseits entsteht Freude, nicht mehr arbeiten zu müssen und einfach in den Tag hineinleben zu können. Andererseits gibt es die Angst, zu wenig Geld zu haben, um diese Freiheit zu genießen. Wer im Alter auf die zweite Gefühlslage verzichten möchte, sollte schon während der Berufstätigkeit drei Fehler unbedingt vermeiden: Die Altersvorsorge vergessen, sie verdrängen oder womöglich daran verzweifeln. 

Es ist eine Information, die im Grunde jeder Deutsche hat und kennt. Wer nicht schon während der Berufstätigkeit für seine Altersvorsorge  spart, hat spätestens mit 67 ein Problem: Das Geld reicht nicht, um den bis dato geführten Lebensstil aufrecht zu erhalten.

Für das tägliche Leben kann das dann heißen: Man muss sich beim Einkaufen einschränken, kann weniger oder gar keine Reisen unternehmen, sorgt sich um jedes Elektrogerät, das kaputt gehen kann.

Überraschenderweise erzielt dieses Szenario bei vielen Menschen aber keine echte Wirkung. Ungeachtet der zu erwartenden, finanziellen Lücke legen sie kein Geld an, schauen nur einige Monate voraus und ignorieren die Vorsorge-Notwendigkeit komplett. 

Die Gründe dafür sind dabei von Generation unterschiedlich. Während in jungen Jahren das Prinzip Verdrängen regiert, ist es in mittleren Jahren das Vergessen, kurz vor der Rente hält dann die Verzweiflung Einzug.

Es lohnt sich auf jeden dieser Beweggründe gezielter einzugehen.  

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Verdrängung in den Anfangsjahren   

In den Anfangsjahren der Berufstätigkeit ist es vor allem die Verdrängung, die die Haltung von Arbeitnehmern und Selbständigen zum Thema Altersvorsorge prägt. Weil man jung ist und vor Tatendrang und Energie nur so strotzt, ist schon allein die Erwähnung der Worte „Rente“ oder „Ruhestand“ ein No-Go. „Davon will ich jetzt noch nichts hören“ oder „Lass mich damit in Ruhe“ sind typische Antworten, wenn Eltern oder auch Versicherungsfachleute versuchen, für das Thema zu sensibilisieren.

Ein 2019 veröffentlichter Artikel auf der Online-Seite der Tageszeitung „Welt“ drückt es noch prägnanter und drastischer aus. Hier heißt es in der Überschrift „Scheiß auf die Rente“. Im Text selbst findet sich die Begrünung für die Aussage: „Wenn ich mal alt bin, dann wird’s keine Rente mehr geben.“

Dass diese negative Sicht heute bei jungen Leuten vorherrscht, hat sicherlich mit einem generell fehlenden Vertrauen in die deutsche Altersvorsorge zu tun. Mindestens so wichtig scheint aber das üblicherweise geringe Gehalt sowie die völlig normalen Lebensträume zu Beginn der Berufstätigkeit.

Was die Gedanken zu dieser Zeit prägt, sind nicht komplexe Lebens- oder Rentenversicherungen, sondern das scheinbar unbegrenzte Gefühl der Freiheit. Endlich ist die Zeit vorbei, in dem die Eltern die monatliche „Geldration“ bestimmten, endlich kann ich das kaufen, was ich will, endlich redet mir niemand mehr in mein Leben hinein. Shoppen, Reisen, Party – das sind die Begriffe, die ankommen, nicht Rentenlücke oder betriebliche Altersvorsorge.

Alles, was das Gefühl der Freiheit kritisiert oder relativiert, ist für junge Leute denn auch nicht gewünscht und genehm.

Fehlende Ausbildung 

Dass die jungen Leute schon zu dieser Zeit eine gute Chance auf einen sorgenfreien Lebensabend verkleinern – liegt ohne Zweifel aber auch an Schule, Gesellschaft und Elternhaus. Wie soll sich ein Bewusstsein für Geldanlage, Versicherungen und Geldanlage auch entwickeln, wenn Fächer wie „Finanzierung des Sozialsystems“ und „eigene Lebensorganisation“ in der Welt von Haupt-, Real- und Oberschule immer noch kaum vorkommen.

Wie soll man an die Regeln des Vermögensaufbaus mit der Zins-Zinses-Zins-Regel glauben, wenn sie nicht kompetent erklärt wird.

Verbunden damit: Die fehlende Vorstellung, dass man auch mit anfänglich kleinen Beträgen ein Vermögen entwickeln kann.

Dass die Arbeitgeber vom ersten Tag der Berufstätigkeit die Verantwortung für die Rentenbeiträge übernehmen, ist ein weiterer Grund, der zum Verdrängen führt. Warum soll ich mich um das Thema selbst kümmern? Mein Arbeitgeber tut das doch schon für mich.

Was dabei von den jungen Leuten leicht vergessen wird: Die Arbeitgeber übernehmen nur das, was sie unbedingt müssen, nicht was sie könnten. Beleg dafür ist die vermögenswirksame Leistung oder die Betriebliche Altersvorsorge. Fragt man junge Leute, ob sie diese kennen oder schon mal die Funktion erklärt bekommen haben, sind die Antworten erschreckend.

Wenn die Eltern diese Defizite aufgrund von fehlendem Bewusstsein oder eigenem Wissen nicht ausgleichen, erklärt sich sehr gut, warum Altersvorsorge bei jungen Leuten alles andere als „in“ ist.    

Fast ein Viertel tun nichts fürs Alter   

Wozu das fehlende Bewusstsein für die Altersvorsorge führt, zeigen verschiedene, zum Teil erschreckende Studien zum Thema. Was darin auffällt, ist vor allem eines: Die Einstellung, vor allem aber das Handlungsbewusstsein, verändert sich trotz medialer Verstärkung nur wenig:

Beleg dafür sind zwei Studien aus den Jahren 2015 und 2021. Die erste davon - 2015 auf der Website „Wallstreet Online“ auf Basis von Zahlen des Portals „Gehalt.de“ veröffentlicht - besagte, dass 23,4 Prozent der Deutschen nichts fürs Alter zurücklegen. Weitere 24,2 Prozent würden jeden Monat lediglich weniger als 100 Euro für das Alter sparen.

Die zweite Umfrage aus dem Jahr 2021 - von der Deutschen Bank erstellt und über Hamburger Abendblatt verbreitet - zeigt 2021 im Grunde die gleichen Werte: Immer noch sorgt fast jeder fünfte Deutsche nicht zusätzlich für sein Alter vor. Was dabei verwundert: Selbst Besserverdienende sind nicht gut, was das Thema Altersvorsorge angeht.

Wie es in der Deutschen Bank-Stude heißt, hat auch knapp jeder Fünfte (17 Prozent) mit einem Einkommen zwischen 1.500 und 3.499 Euro netto keine zusätzliche Altersvorsorge. Und selbst bei den hohen Einkommen (mehr als 3.500 Euro) sind acht Prozent ohne zusätzliche Absicherung ausgestattet.

In den mittleren Jahren: Altersvorsorge wird vergessen 

Hemmt in jungen Jahren also vor allem das Verdrängen die Beschäftigung mit der privaten Altersvorsorge, so ist es in den mittleren Jahren das Vergessen.

Weil man ein gutes Einkommen hat und sich praktisch alles leisten kann, ist die Vorstellung von einer möglichen finanziellen Einschränkung im Alter weit weg. Die tägliche Beanspruchung mit Beruf, Familie und Haushalt sowie die ohne Zweifel komplexen Sachverhalten verstärken die konsequente Missachtung des Themas Rente außerdem.

Wenn man Freizeit hat, will man sich nur ungern mit den Regeln der betrieblichen Altersvorsorge oder Artikeln zum Thema Riester-Rente beschäftigen. Dies gilt auch, weil bei den meisten Menschen die Einnahmen fließen und man keine Einschränkungen erdulden muss. Was somit zählt, ist shoppen gehen, ein gutes Abendessen genießen oder die Zeit am Hotel-Pool verschlafen. Nicht zu unterschätzen ist gerade in diesem Alter:

Je mehr man im Leben erlebt hat, desto stärker bildet sich Vorsicht und Misstrauen aus. Empfänger dieser Emotionen sind in besonderer Weise die Anbieter von Produkten der Altersvorsorge und deren, in den Medien immer wieder kritisierten, Provisionsregeln. Die Angst, etwas falsch zu machen und am Ende einen Vertrag abzuschließen, der womöglich nicht das erhoffte Ergebnis bringt, hemmt massiv.

Die von Banken und Versicherungsgesellschaften aktuelle betriebene Fokussierung auf Produkte aus dem Aktien- und Wertpapierumfeld bestärkt diese Befürchtung. Was ist, wenn das angelegte Geld im Fall eines Börsencrashes komplett verloren geht? Was ist, wenn der Anbieter von Wertpapieren vom Markt verschwindet?  

Das Verzweifeln bei älteren Jahrgängen 

Im höheren Lebensalter folgt dann die dritte Phase, die man wohl mit dem Wort Verzweifeln beschreiben muss. Weil man sich nun endlich mit der Rente und der finanziellen Ausgestaltung des Lebensabends auseinandersetzt, wird schmerzlich bewusst, was im Laufe des Arbeitslebens verpasst wurde.

Man erinnert sich an die vielen Artikel, die man über die Rentenlücke gelesen hat, an die zahlreichen Fernsehberichte zum Thema private oder betriebliche Altersvorsorge und auch an die Gesprächsangebote von Versicherungsfachleuten. Am Ende der Reminiszenz stehen dann zwei Fragen:

„Warum habe ich mich nie mehr darum gekümmert?

Und „Was kann ich jetzt noch tun? 

Die Antworten darauf sind dann häufig das, was die Verzweiflung bei vielen endgültig zementiert. Zu retten ist kaum noch etwas, was auch eine Analyse der Geldanlage-Plattform "Weltsparen" zeigt.

Hierfür wurden zunächst anhand der Durchschnittsgehälter der 30- bis 60-Jährigen in Deutschland deren voraussichtliche Rentenlücke analysiert. In einem zweiten Schritt berechnete die Plattform dann, wie „viel der sogenannte Eck-Deutsche in den unterschiedlichen Lebensphasen heute bereits idealerweise auf der hohen Kante haben sollten, um das Sparziel zu erreichen – und zwar ohne sich über die Maße einschränken zu müssen“.

Mehr als 200.000 Euro notwendig 

Das Ergebnis für einen heute 50-Jährigen ist nicht unerwartet, erschreckt aber dennoch: Will dieser seinen Lebensstandard von 2892 Euro netto monatlich über 15 Jahre im Rentenalter halten, benötigt er mehr als 200.000 Euro finanzielle Reserven.

Für die Berechnung legte Weltsparen ein Bruttogehalt von 58.213 Euro pro Jahr zugrunde, also 2892 Euro netto. Basierend darauf wurde dann ein Rentenanspruch mit 67 von 2020 Euro brutto monatlich (Nettorente circa zwischen 1630 und 1750 Euro) angenommen.

Pro Monat fehlen also im Rentenalter mehr als 1000 Euro vom Nettoverdienst jeden Monat. Aufzuholen, so die Autoren, ist diese Lücke nur, wenn von nun an konsequent zehn Prozent des Nettoeinkommens gespart wird.

 Hieraus ergibt sich bis zum Rentenbeginn dann noch ein Vermögen von rund 60.000 Euro. Der Rest, konkret 145.769 Euro muss aber bereits angespart sein. Wenn nicht, steht im Alter deutlich weniger Geld zur Verfügung, als man sich das wünscht.  

Entscheidend ist, in frühen Jahren anzufangen 

Was die Beispiele zeigen: Damit das Rentenalter zum finanziellen Ruhepolster und zu einer echten Entspannung werden, gilt es mehrere Schritte zu tun. Denn die richtige Altersvorsorge aufzubauen ist einfacher als viele Menschen denken.

Der erste ist, sich der typischen Verhaltensweisen „Verdrängen“, „Vergessen“ und „Verzweifeln“ bewusst zu werden und zu überlegen, in welcher der drei Phasen man sich gerade befindet.

Was folgen sollte, ist eine konsequente Analyse der eigenen finanziellen Mittel und die Kontaktaufnahme mit einem Fachmann. Was viele nicht wissen.

Es gibt in Deutschland auch Honorarberater, die nur einmalig für die Beratung zu bezahlen sind. Das angelegte Geld arbeitet somit schneller und verzinst sich effektiver als bei Verträgen, die auf Provision angelegt sind. 

Bei letztgenannten beginnt in der Regel erst der Vermögensaufbau, wenn die gesamten Vertriebskosten bezahlt sind.

Was zudem wichtig ist: Eltern sollten aktiv ihre Kinder auf das Thema Rente ansprechen und sie sensibilisieren: Denn der beste Weg zu einer guten Rente ist immer noch:

So früh wie möglich mit der Altersvorsorge beginnen.                  

Was kannst du jetzt tun? 

Step 1 

Checke deine bestehenden Verträge

  • Bingen diese dich an dein Ziel?
  • Stimmt die Förderung?
  • Funktioniert der Anlagemotor noch?
  • Wie hoch sind die Kosten?
  • Lauern Fallen im Kleingedruckten?

Step 2 

Bestimme genau dein Ziel

Weisst du wieviel Kapital du genau für dein Alter brauchst? Welchen Betrag (nach Inflation!) benötigst du mtl. wenn du in Rente gehst? 

Wieviel Kapital musst du für diesen Betrag ansparen?

Step 3 

Berechne deinen Sparbetrag.

Wieviel Geld musst du jeden Monat sparen, damit du dein Ziel auch wirklich erreichst?  Auch wenn der Betrag sich vielleicht hoch anfühlt, rechne einmal GENAU aus wieviel du wirklich, realistisch sparen musst. 

Danach kannst du dir immer nich Gedanken machen wie es gehen soll. 

Altersvorsorge ist einfach?

JA und zwar für jeden! 
Warum erfährst du in diesem Artikel...

Kai Römisch

Kai Römisch ist seit 30 Jahren in der Finanzbranche. Nach Stationen bei einer Großbank, einem Indutriemakler und einem Start-Up hat er sich mit seiner Frau zusammen Selbstständig gemacht. Anders als 99% der Berater in Deutschland arbeitet er auf Honorar-Basis, transparent und fair mit seinen Kunden.

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